Das Ende des Theaterspieles

Theaterbühne ErlangenZu Beginn meines geistigen Erwachens erlebte ich in einem Visionstraum eine Situation, die sich erst in ferner Zukunft abspielen sollte.

Ich erkannte, dass ich auf der Bühne eines älteren Theaters stand. Es verfügt noch über die mit  Stuck verzierten Logen und Ränge der früheren Epoche, der Vorhang wurde mit der Hand aufgezogen und die Kulissen wurden hin und hergetragen von unsichtbaren Statisten, die im Hintergrund des Theaters wirkten. Die vielfältigen Veranstaltungen hatten ihre Spuren hinterlassen und alles wirkte ein wenig ungepflegt und vernachlässigt. Trotzdem versprühte dieses alte Theater noch einen besonderen Charme, dem ich mich nicht zu entziehen vermochte. Ich spürte, dass es die letzte Vorstellung in diesem Theater war, weil es danach abgerissen werden würde.

Als ich mich umsah, konnte ich erkennen, dass das Theater gut besucht war, die Vorstellung schien gerade beendet zu werden. Die letzen Vorhänge wurden aufgezogen, die Zuschauer applaudierten lautstark und die Schauspieler verbeugten sich erfreut, weil sie eine erfolgreiche Spielsaison hinter sich gebracht hatten.

Der letzte Vorhang fiel und die restlichen Zuschauer verließen den Saal. Nun wurde die Bühne noch einmal hell erleuchtet. Ich sah, dass die Schauspieler langsam ihre Masken abnahmen und ihre Kostüme auszogen. Sie fielen sich in die Arme, beglückwünschten sich gegenseitig für ihre gute schauspielerische Leistung und freuten sich darüber, nun in den wohlverdienten Feierabend gehen zu können.8343560-theater-b-hne-mit-red-curtain

Mit großem Erstaunen erkannte ich, dass sich die Darsteller am meisten miteinander freuten, die während des Schauspieles die Rollen der größten Feinde gespielt hatten. In Wahrheit waren sie gute Freunde, die nur während des Schauspieles in diese Rollen geschlüpft waren.

***

Voller Erstaunen wachte ich aus diesem Traum auf und erkannte, dass dies ein Symboltraum für das gesamte Aufstiegsgeschehen war und mich darauf vorbereiten wollte, dass ich auch in meinem Alltag die Masken aufmerksam betrachten solle, um zu erkennen, wer denn hinter der Maske meines vermeintlichen Feindes stecken könne.

München, im Januar 2001, Petra W.

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